Reizdarmsyndrom: Ursachen, Symptome und richtige Ernährung

Brot bei Reizdarm? Was hilft wirklich?

Reizend ist an einem Reizdarm wahrlich wenig, denn wer schon einmal unter einem „nervösen Darm“ gelitten hat weiß, dass dieser Zustand sehr belastend sein kann und die Lebensqualität ungemein mindert. Reizungen des Darms können unangenehme Symptome hervorrufen und das über einen längeren Zeitraum. Doch was sind Symptome für einen Reizdarm? Und welche Ernährung hilft, um diese Symptome zu lindern?

Reizdarm Ursachen, Symptome & Ernährung

Reizdarm Ursachen

Menschen mit einem Reizdarm leiden unter einer Funktionsstörung des Darms. Schuld daran ist eine konstante Reizung, die eine andauernde Entzündung im Darm hervorruft und unser Immunsystem fordert.

Das Reizdarmsyndrom ist ein Sammelbegriff für Beschwerden des Verdauungstraktes, eine Diagnose die gestellt wird, nachdem andere mögliche Erkrankungen ausgeschlossen wurden und die Beschwerden länger als drei Monate pro Jahr bestehen.*

Unsere Darmgesundheit ist von einem sensiblen Gleichgewicht aus einerseits genetischen Faktoren und andererseits Umweltfaktoren abhängig. Wirken zu viele störende und entzündungsauslösende Umweltfaktoren länger auf uns ein, so kann es zu einer chronischen Entzündung des Darms, und einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung kommen. Studien haben gezeigt, dass eine Fehlbesiedelung des Darms mit den falschen Mikroorganismen an der Symptomatik mitbeteiligt sein kann. Häufig geht dem eine Antibiotika-Einnahme voraus, wobei ja leider auch die guten Bakterien vermindert werden. Eine große Rolle spielen auch psychische Belastungen und Stress.

Symptome bei Reizdarm

In Industrieländern ist das Reizdarmsyndrom eine sehr weitverbreitete Darmerkrankung. So klagt jeder fünfte Österreicher über reizdarmartige Symptome, wie Schmerzen, Blähungen, unangenehmes Völlegefühl, Durchfall oder Verstopfung.

Dementsprechend unterscheiden Mediziner vier Typen: Schmerztyp, Blähtyp, Diarrhoetyp (Symptom: Durchfall) und Obstipationstyp (Symptom: Verstopfung). Typisch ist eine Besserung der Beschwerden nach der Darmentleerung.

Frauen sind von einem Reizdarm circa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Als Begleiterkrankungen nennen Patienten häufig Migräne, Depression, Erschöpfungszustände oder auch Kreislaufstörungen.

Therapien und Ernährung bei Reizdarm

Die Linderung der Symptome bzw. die Heilung gestaltet sich für jeden Menschen individuell, so wie auch die Ursachen für jeden unterschiedlich sind. Es empfiehlt sich aber ein Ernährungstagebuch zu führen, um herauszufinden welche Lebensmittel/Zubereitungsarten die Symptome verschlimmert bzw. eben nicht hervorrufen. Auch kann darin eingetragen werden, welche anderen Einflüsse am jeweiligen Tag besonders präsent waren (z.B. Stress in der Arbeit). So kann auf individueller Basis herausgefunden werden, was die Symptome verbessert.

Ignorieren ist jedenfalls kontraproduktiv und so ist der Arztbesuch dringend empfohlen und auch die Unterstützung durch Diätologen definitiv sinnvoll.

Je nach Typ (siehe oben) gibt es andere Ernährungs- und Behandlungsempfehlungen. Blähende, fette, sehr heiße oder kalte Speisen sollten aber jedenfalls gemieden werden und zudem empfiehlt es sich weniger Zucker, weniger Weißmehlprodukte (Toastbrot) und einen höheren Vollkornanteil (Ballaststoffe!) zu konsumieren sowie mehr Wasser zu trinken. Auf blähendes Gemüse und überreife Früchte mit hohem Fruchtzuckeranteil sowie kohlensäurehaltige Getränke, Alkohol und eventuell Kaffee sollte verzichtet werden.

Brot bei Reizdarm?

Ballaststoffreiche und quellende Lebensmittel, wie Flohsamen und Leinsamen, können die Darmaktivität natürlich regulieren und die Stuhlkonsistenz verbessern. Auch am Vorabend eingeweichte Haferflocken zum Frühstück schonen den Darm im Normalfall.

Linderung könnten außerdem auch Wärme, Gewürze und einige Kräuter (Tees) verschaffen.

Brot bei Reizdarm?

Brote, welche eine gesunde Portion Vollkorn und somit Ballaststoffe enthalten und eventuell auch Samen und Flocken (vor allem wenn als Quell- oder Kochstück vorbereitet, das heißt sehr verdauungsfreundlich verbacken) können – je nach Reizdarmtyp und individueller Ausprägung – sogar helfen die Symptome zu lindern. Insbesondere trifft dies zu, wenn die Teige langzeitgeführt wurden und das Brot somit leichter verdaulich ist. Handfeste Beweise für die Vorteile einer glutenfreien Ernährung gibt es bis dato keine. Menschen mit Darmproblemen wie dem Reizdarmsyndrom tun sich jedoch manchmal schwer, sogenannte FODMAPs (Mehrfachzucker, auch in Weizen, Gerste und Roggen) zu verdauen. Bei der FODMAP-armen Diät wird vorübergehend auf sämtliche zuckerhaltige Lebensmittel verzichtet.

Reizdarmsyndrom - Fazit

Die gute Nachricht ist, dass ein Reizdarm die Lebenszeit nicht verkürzt und auch keine lebensbedrohliche Erkrankung darstellt. Jedoch, und das ist die schlechte, mindert das Syndrom unsere Lebensqualität gegebenenfalls beträchtlich. Am wichtigsten ist es daher die Diagnose mit einem Facharzt abzuklären und die persönlichen Ursachen herauszufinden.

Während stressige Lebenssituationen einen Reizdarm heraufbeschwören können, kann es auch genetische Veranlagung sein, gekoppelt mit ungünstigen Lebens- und Ernährungsweisen. Dies kann zu Veränderungen in der Beweglichkeit des Magen-Darm-Trakts, einer erhöhten Empfindlichkeit von Nervenzellen in der Darmwand, zu Entzündungsprozessen und auch Störungen des Mikrobioms (der gesunden „Darmflora“) führen. Für letzteres gibt es schon einige vielversprechende Studien zur Wirksamkeit von Präbiotika und Probiotika zur Stabilisierung und Wiederherstellung der „normalen“ intestinalen Mikrobiota.

Das Führen eines Ernährungstagebuchs gibt Aufschluss darüber, ob Gluten und/oder FODMAPs eine Rolle beim eigenen Reizdarm spielen. Andernfalls gilt insbesondere bekömmliches Brot als wertvoller Ballaststofflieferant. Die Deutsche Fachgesellschaften für Ernährung (DGE) schreibt dazu Folgendes: „Lebensmittel sollten Betroffene nur dann meiden, wenn ihr Verzehr regelmäßig Beschwerden hervorruft und ihr Verzicht zu einer Besserung der Beschwerden führt. … Lebensmittel auf bloßen Verdacht hin vom Speisenplan zu streichen, schränkt die Lebensmittelauswahl unnötig ein und kann eine Fehl- und Mangelernährung begünstigen.“

Gerade in der jetzigen Zeit scheint es so essentiell wie selten zuvor, gut auf uns und unseren Körper zu hören und den Fokus auf alles zu legen was unserer Gesundheit wohltut.

 

* So können durch Atemtests Fructose(Fruchtzucker)- und Lactose(Milchzucker)-Intoleranzen und über Darmspiegelungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa diagnostiziert werden und erst nach dem Ausschluss weiterer möglicher Erkrankungen spricht man dann von einem Reizdarm.

GASTBEITRAG

Mag. Martina Überall, Ph.D.
Doktorat der medizinischen Gesundheitswissenschaften
Dozentin an der Pädagogischen Hochschule Tirol, Fachbereich Ernährung und Gesundheit

 

Unser langzeitgeführtes & daher leicht verdauliches Brot: